Landkreis Saalekreis Pressesprecherin
Dr. Kerstin Küpperbusch
  • Domplatz 9
  • 06217 Merseburg
  • Sachsen-Anhalt
  • Tel. 03461 40-1010
  • Fax 03461 40-1099
Sie befinden sich hier: Startseite » Bürger & Verwaltung » Presse & Publikationen
Pressemitteilungen

Projekt Familienintegrationscoach zieht Halbzeitbilanz

"Familien stärken - berufliche Perspektiven eröffnen", das haben sich die Familienintegrations­coaches des Saalekreises auf ihre Fahnen geschrieben. Sie helfen jungen Alleinerziehenden und Familien, die arbeitslos sind und Grundsicherungen beziehen, auf sehr individuelle Weise bei ihrem Weg in eine Erwerbstätigkeit.

„Mit den Kundenberatern des Eigenbetriebes für Arbeit – Jobcenter Saalekreis arbeiten wir sehr eng zusammen. Sie sprechen die Empfehlungen für eine Projektteilnahme aus“, berichtet die Projekt­koordinatorin Elke Seeburg. Gefragt nach dem neuen Ansatz sagt sie: „In individuellen Gesprächen loten wir die Problemlagen aus, die für das Scheitern der bisherigen Bemühungen verantwortlich sein könnten. Gemeinsam wird die berufliche Ausrichtung betrachtet und die Realisierungs­möglichkeit eingeschätzt. Den Projektteilnehmern soll auf diesem Weg eine neue Perspektive eröffnet werden, die die Möglichkeit der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses beinhalten kann. Wir gehen gezielt auf Unternehmen der Region zu und suchen nach den entsprechenden Stellen. 88 Mal hat dies bisher geklappt. Lange Arbeitslosigkeit, fehlender Schul- und/oder Berufsabschluss sowie die familiäre Situation sind oft Hemmnisse, die einer Beschäftigung entgegenstehen. Arbeitgeber können deshalb zum Ausgleich der Defizite Fördermittel erhalten. Um ihnen die Antragstellung zu erleichtern, werden sie durch die Mitarbeiter des Projektes unterstützt und begleitet.“

Nancy Meschwitz und Anja Fildebrandt sind dankbar für die Hilfe, die ihnen zu teil wurde. Beide Alleinerziehenden verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung im Handel. Sie konnten nach der Ausbildung und den Erziehungszeiten nie dauerhaft in einem Unternehmen Fuß fassen. „Das Leben muss doch mehr zu bieten haben“, sagen beide Frauen. Ein fester versicherungspflichtiger Job war immer ihr erklärtes Ziel. „Ja, den Mut kann man schon mal verlieren, wenn bei 150 Bewerbungen immer wieder Absagen kommen. Mitunter hatte ich das Gefühl, dass mein Familienstatus – allein­erziehend - als Makel betrachtet wurde und nicht mein Engagement und Wissen zählten“, berichtet Anja Fildebrandt.

Die besondere Art der Betreuung durch die Familienintegrationscoaches empfanden die jungen Frauen als sehr angenehm.“ Frau Seeburg hat mich auch zu Hause besucht. Wir standen ständig in telefonischem Kontakt, das hat mir sehr geholfen“, sagt Anja Fildebrandt.

Einer von 53 regionalen Arbeitgebern, die bislang Projektteilnehmern eine Chance gegeben haben, ist der Inhaber des EDEKA-Marktes in Bad Lauchstädt, Volker Griese. Er hat zwei Erprobungsarbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Nancy Meschwitz und Anja Fildebrandt überzeugten mich im Vorstellungsgespräch und dem anschließenden Praktikum. „In meinem Unternehmen arbeiten 38 Frauen und Männer zu den im Handel üblichen Arbeitszeiten. Beide Frauen haben schulpflichtige Kinder, deren Betreuung es abzusichern gilt. Individuelle Lösungen wurden gesucht und gefunden. Rücksichtnahme auf die familiäre Situation erfolgt zum Beispiel bei der Schichteinteilung.

Frau Meschwitz kann spätestens 16 Uhr gehen und sich dann um ihre Kinder kümmern, da keine andere Betreuungsmöglichkeit besteht. Von der Notwendigkeit der ‚Sonderlösung‘ mussten auch die übrigen Mitarbeiter im Markt überzeugt werden. Das war anfangs nicht einfach. Zwischenzeitlich haben sich die beiden Frauen gut ins Team integriert. Sie arbeiten motiviert, sind zuverlässig und suchen eigen­verantwortlich nach Lösungen bei Problemen“, das gefällt mir. „Ihr Fachwissen im Nahrungsmittelhandwerk und im Bereich Drogerie und Parfümerie kann ich sehr gut nutzen. Frau Fildebrandt ‚pendelt‘ beispielsweise zwischen der Wurst- und Käsetheke. Sie hat zwischenzeitlich schon eine unternehmenseigene Qualifizierung absolviert und so die Möglichkeit zur eigenen beruflichen Weiter­entwicklung genutzt“, berichtet Griese abschließend.

Den jungen Frauen ist anzusehen, wie stolz sie darauf sind, den Lebensunterhalt für sich und ihre kleinen Familien selbst zu verdienen. Nancy Meschwitz erinnert sich noch an die Anfangszeit. „Ich habe jeden Morgen den Wecker für die Kinder gestellt, denn sie mussten mitunter allein aufstehen und sich für die Schule fertig machen. Wenn mein Handy klingelte habe ich gedacht, hoffentlich ist nicht die Schule dran, um mir mitzuteilen, dass meine Kinder verschlafen haben. Das ist übrigens nie passiert. Sie sind in den letzten Monaten viel selbständiger geworden. Die Noten meines Jüngsten haben sich deutlich verbessert. Wir mussten unsere täglichen Abläufe neu ordnen. „Es klappt gut“, berichtet sie.

Das aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Projekt läuft noch bis Juni 2015.

Und erweist sich angesichts des sozialen Aufstiegs der Kunden und der Einsparungen bei laufenden Leistungen als Erfolgsgeschichte im Saalekreis. „Wir sind mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden und würden uns wünschen, dass noch mehr Arbeitgeber, auch aus dem nördlichen Saalekreis, mit uns die Zusammenarbeit suchen“, so Seeburg abschließend.

Kontakt: Jobcoach – Frau Schäfer (Tel.: 03461/244 305, E-Mail: Kristin.Schaefer@saalekreis.de)

© Kerstin Kuepperbusch E-Mail

Zurück